Axe Ouro, Medizinmann

Titel

Intelligent ist, wer sich weniger schadet.

Axé Ouro – Medizinmann aus einer anderen Welt

Wenn die Medizin nicht weiter weiss und Medikamente nicht mehr wirken, dann landen verzweifelte Patienten mit rätselhaften Störungen im Behandlungszimmer von Axé Ouro in Basel. Er nennt sich «Medizinmann» und «Körperarbeiter». Seine Behandlungsmethoden basieren auf der einfachen Erkenntnis: Ohne Energie kein Leben. Alles muss fliessen. Schmerz und Krankheiten sind fast immer die Folge von blockierten oder fehlgeleiteten Energien.


Wer ihn sieht, wie er auch bei Minusgraden, in seltsamen, bunten Gewändern, halbnackt durch die Stadt geht, reibt sich verwundert die Augen. Seltsame Tätowierungen im Gesicht, zwischen den Brauen, und an den nackten, kräftigen Beinen, wirkt der muskulöse Mann mit seinem pilzförmigen Haarschnitt wie eine Figur aus einer fernen Welt und einer anderen Zeit. Woher der wohl kommen mag? fragen sich die Passanten. Welche Sprache spricht er? Was macht er hier? Umso erstaunter regieren sie, wenn sie einen vertrauten Dialekt zu hören bekommen.

Der Mann heisst mit bürgerlichem Namen Rolf Ernst Walther. Aufgewachsen im solothurnischen Langendorf. Der gelernte Bahnpostbeamte war in jungen Jahren als Skilehrer und als Nachwuchstrainer beim Schweizerischen Skiverband (SSV) tätig. Kaum zu glauben, dass er einst als braungebrannter, gutaussehender Skilehrer, die Schönen und Reichen über die Skipisten von St. Moritz führte.

Er nennt sich längst Axé Ouro (sprich Asche Oro!), was im brasilianischen Sprachgebrauch so viel heisst wie «Goldene Energie». In der afro-brasilianischen Religion «Candomblé», die ihre Wiege in Westafrika hat, steht der Begriff für Energie, die zwischen allen Wesen fliest. Geboren wurde Rolf Ernst Walther am 22. Juni 1947. Als 26-jähriger zog es ihn in die Welt hinaus. Seither ist er ein Wandler zwischen den Welten. Seine ausgedehnten Reisen führten ihn über Jahre zu verschiedenen Indianerstämmen in Mexiko, Ecuador, Peru und Bolivien.

Bei den Indianern
Mit der Ausbildung zum diplomierten Masseur machte er sich selbständig.  Seine Ausbildung zum Physiotherapeut machte ihn nicht glücklich. Er empfand die Art und Weise wie Patienten behandelt wurden, als einseitig und unvollständig. Um sein Wissen zu vertiefen und andere Erfahrungen zu machen, bereiste Walther in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren die asiatischen Länder, Thailand, Indonesien und die Philippinen. Dort machte er Bekanntschaft mit anderen Therapieformen, die uns fremd sind, von denen aber bekannt ist, dass sie teilweise wahre Wunder bewirken. Es zog ihn weiter nach Südamerika. 1985 traf er am Oberlauf  des Rio Xingu im brasilianischen Mato Grosso die Xingu-Indianer. Er lernte deren Kultur kennen und wurde in ihre Rituale und Geheimnisse ihrer archaischen Lebensweisen eingeführt, so lange bis er einer der ihren wurde. Schliesslich empfing er die Weihen eines Medizinmannes und wurde zu Axé Ouro.

Zurück in der Schweiz eröffnete Axe Ouro eine therapeutische Praxis für «Energieaufbau und Körperarbeit»). Schon bald rannten ihm die Menschen die Türen der Praxis ein. Denn seine Behandlungsmethoden mit den wundersamen Resultaten sprachen sich schnell herum. Menschen mit chronischen Schmerzen und Beschwerden aller Art gaben sich die Klinke der Praxis in die Hand. Dabei hat sich Axé Ouro nie als Heiler verstanden. Schon gar nicht als Wunderheiler.

Energie ausgleichen
Er stellt den Energieausgleich ins Zentrum seines Schaffens. «In unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in der alles schnell und schneller gehen muss, bleibt der Mensch auf der Strecke», sagt Axé Ouro mit dem Selbstverständnis des Geläuterten. «Bei den Naturvölkern sieht man das nicht. Die Xingu leben ein Leben voller Entbehrungen. Sie sind bescheiden und achten die Gesetze der Natur. Da bleibt kaum Platz für schädliche Auswüchse.»
Als einstiger Masseur hat Axé Ouro begriffen, dass Massieren gegen Schmerzen nur sehr kurzfristige Linderung und letztlich neue Beschwerden bringt, weil Massagen zu Energieverlusten führen. Er sieht seine Aufgabe vielmehr darin, Blockaden zu lösen, die Energie auszugleichen und seine Patienten zu lehren, wie man mit seinem Energiehaushalt umgehen muss.

Der Klassiker
Allerdings würden die Menschen lieber zum Arzt rennen und Medikamente gegen Schmerzen schlucken, als den Ursachen des Übels auf den Grund zu gehen. Ein schönes Beispiel ist jener junge Mann, den es auf der Überholspur seiner rasanten Berufskarriere erwischte. Er konnte von einem Tag auf den anderen nicht mehr arbeiten. Die Augen machten nicht mehr mit. Er konnte die Tastaturen seines Laptops nicht mehr sehen. Im Augenspital wurde er mehrmals mit allen technologischen Mitteln unserer Zeit untersucht. Doch die Augenärzte konnten nichts finden.

Als Axé Ouro den Mann bei sich in der Praxis sah und seine Geschichte hörte, musste er lachen. «Das haben wir gleich», sagt er und legte Hand an einige neuralgische Schmerzpunkte. Nach einer halben Stunde verliess der junge Mann die Praxis an der Feierabendstrasse 25. Die Brille steckte er, wie geheissen, in die Tasche und wunderte sich, dass er wieder klar sehen konnte. «Ein typisches Beispiel von geht nicht», sagt Axé Ouro. Der junge Mann hat so lange gepowert, bis alle Energien im Keller waren. Da herauszukommen ist schwer, wenn erst die Schmerzen überhand nehmen.» Dabei sei es ganz einfach, doziert der Meister. Hauptaufgabe des Menschen sei es, seinen Energiehaushalt im Gleichgewicht zu halten. «Energie geht immer automatisch verloren, aber sie kommt nicht automatisch zurück. Dafür muss man etwas tun. Ist die Energie weg, meldet sich der Körper mit Schmerzen. Je mehr man dagegen ankämpft, umso schlimmer wird es. Schliesslich werden die Beschwerden chronisch und führen zu weiteren Erkrankungen.»

Immer wieder kommen Menschen zum Medizinmann, die dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen sind und von Ängsten geplagt werden, zum Beispiel Prüfungsangst. «Ein Klassiker», sagt Axé Ouro. «Ängste sind Ausdruck fehlender Energie. Obwohl Menschen in der Schwäche Unglaubliches leisten können, bis sie zusammenbrechen, geht es dann halt nicht mehr.» Mit seiner Energieausgleichstherapie hat der Mann, der zwischen den Welten wandelt, manch einem Schüler durch die Prüfung geholfen.

Schlafstörungen
Ein weiterer Klassiker sind Schlafstörungen. Wer zu müde ist, um zu schlafen, leidet. «Müdigkeit hat aber nichts zu tun mit schlafen», sagt Axe Ouro. «Müdigkeit ist ein körperliches Phänomen. Man muss nicht müde sein, um schlafen zu können. Um schlafen zu können, muss man loslassen. Wer aber blockiert ist und nicht loslassen kann, kann auch nicht schlafen. Das führt zu Schlafstörungen. Spannungen, Unruhe und Unwohlsein sind die Folgen.» Interessanterweise – das kann jedermann an sich selbst beobachten – wird man umso müder, je mehr man schläft. Zu viel Schlaf führt zu kraftlosem Zustand. Beschwerden werden dadurch noch verstärkt. Also sollte man, wenn man müde ist, eher bewegen, und nicht schlafen. Schlafen müssen wir, weil wir ein kosmisches Wesen sind. Der Mensch muss schlafen, weil der Astralleib zurück muss in den Kosmos, um geistige Kräfte zu sammeln.»

Der Mensch ist klein und schwach
Viele Menschen leiden unter rätselhaften Beschwerden. Sie suchen verzweifelt nach Hilfe. Doch die Wissenschaft ist ratlos. Die Beschwerden bleiben. Tinnitus, Verdauungsstörungen, Migräne, Entzündungen oder Allergien. «Diese Menschen haben ihre Begrenzung verloren, und damit ihre Energien.», sagt der Medizinmann. «Sie müssen lernen, ihre Schwäche zu tragen. Das führt zu Energieausgleich. Mühsamst, langsamst, unsicherst, mit grösster Anstrengung bewegen. Ja denken. Zurück. Pause.» Das ist nicht einfach und geht nicht über Nacht. «Das Streben danach, dass es besser geht, im Sinne des guten Gefühls, führt dazu, dass es schlechter geht und führt letztlich zur Katastrophe», sagt Axe Ouro. «Denn das Gefühl kann bekanntlich nichts. Das Ehrlichste ist das Gesetz der Natur. Sobald wir den Gesetzen der Natur folgen, erhalten wir ein positives Resultat. Das heisst aber nicht, dass man damit umgehen kann. Das braucht Übung. Hier setzt meine begleitende Hilfe ein.»

Was für Aussenstehende wie ein Wunder aussieht, ist in Wahrheit nichts anderes, als dass Axé Ouro Menschen zeigt, wie sie ihre verlorenen Energien wieder gewinnen können. «Denn ist der Energieausgleich erst einmal weg, fehlt es auch an Selbstheilungskraft.»

Axé Ouro gibt sich auch keinen Illusionen hin, die Menschen ändern zu können. «Die meisten kommen erst, wenn sie kaum mehr gehen können und vergeblich den Gang durch alle verfügbaren Arztpraxen und Kliniken hinter sich haben. Darunter nicht selten Ärzte. «Die Wahrheit ist brotlos, die kaum jemand kennen will», sagt der Medizinmann.»

Beat Gomes


Artikel publiziert in der Basler Woche im März 2016



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